Liebe S!Dizens,
woran erkennt man, dass die Wärmewende auf dem Vormarsch ist? An den Wärmeplanungen, den installierten Wärmepumpen oder dem Ausbau der Wärmenetze? Nein, an dem Kampf um die Netze. Politisch hatten wir schon Debatten über defossilisiertes Gas oder grüne Moleküle. Die Wärmepumpe war auch immer wieder Zielscheibe einer medialen Kampagne.
Jetzt kommen die Gasnetzbetreiber, die ihre Netze nicht kampflos aufgeben wollen. Wenn sie schon die Industrie versorgen, so ihre Argumentation, dann können sie auch Wasserstoff für die Wärmeversorgung bereitstellen. Es wird wohl eher der Wunsch sein, noch länger Gas verkaufen zu können.
Den ersten Vorgeschmack dieser Diskussion, haben wir in den letzten Wochen in Chemnitz erlebt, nachdem der Entwurf der Wärmeplanung veröffentlicht wurde. Dort sollen, laut Entwurf, einige Gebiete als Wasserstoffprüfgebiet ausgewiesen werden, nicht nur im Bereich der Industrie und des Gewerbes, sogar fast im gesamten Stadtgebiet.
Der “Technologieoffenheit” sei Dank, muss der Gasnetzbetreiber jetzt aber innerhalb der nächsten 2 Jahre glaubhaft nachweisen, dass er sein Netz transformieren kann. Ob das gelingt, darf stark bezweifelt werden. Es weiß ja noch niemand, woher der Wasserstoff kommen soll, vor Ort soll er nicht erzeugt werden.
Auch wenn formal bei der Wärmeplanung alles richtig lief, ist der Aufschrei natürlich groß. Die Kritik ist berechtigt, denn es wird der Eindruck vermittelt, Gasheizungen könnten noch länger betrieben und mit geringem Aufwand umgerüstet werden. Das kann für Hausbesitzer aber sehr teuer werden.
Als Reaktion auf die Pläne in Chemnitz und auch in Erfurt hat Anja Floetenmeyer-Woltmann dargestellt, wie Wasserstoff schöngerechnet wird und Wärmepumpen als zu teuer dargestellt werden. https://waermeplanung-aus-der-ho-9pawdbf.gamma.site/
Hinzu kommt, wer noch länger auf eine Gasheizung setzt, muss mit erheblichen Kostensteigerungen durch die Netzkosten rechnen. Eine vom Umweltinstitut München beauftragte Studie beim Fraunhofer Institut IFAM hat ermittelt, wie teuer es für die verbleibenden Kunden werden kann, die sämtliche Kosten für die Netze tragen müssen. Bis 2045 können die Netzkosten pro Anschluss von heute 300 Euro auf bis zu 4.300 Euro im Jahr steigen. Der Gasverbrauch ist da noch gar nicht enthalten. https://umweltinstitut.org/energie-und-klima/meldungen/mehrkosten-gasnetz-studie/
Aber die Bundesregierung will ja ein Gesetz abschaffen, das es noch nicht mal gibt, das Heizungsgesetz. Eigentlich geht es um § 71 im Gebäudeenergiegesetz. Wie sie das hinbekommen möchte, ohne gegen Europarecht und gegen die Verfassung zu verstoßen, weiß sie wohl selber nicht. Macht nix, aus Raider wird einfach Twix. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wird in Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) umbenannt und die Entscheidung wird vertagt. Wenn doch alles nur so einfach wäre.
https://www.geb-info.de/gebaeudeenergiegesetz-geg/topnews-aus-dem-geg-wird-das-gmg
Von Wärmepumpen wird immer behauptet, sie funktionieren nur nach einer vollständigen Sanierung auf Neubauniveau. Das stimmt überhaupt nicht. Wärmepumpen heizen auch in unsanierten Bestandsgebäuden effizient und klimafreundlich. Dies hat das Fraunhofer ISE in einem neuen Forschungsprojekt festgestellt. Das Ergebnis ist eindeutig: Die CO2-Emissionen der Wärmepumpen waren 64 % geringer als die der Erdgasheizungen. Es gibt aber noch genug Potential zur Optimierung der Wärmepumpen-Installationen. https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/waermepumpen-heizen-auch-im-altbau-klimafreundlich-forschungsprojekt-des-fraunhofer-ise-abgeschlossen.html
Gemeinsam mit dem lokalen Handwerk können Stadtwerke dafür sorgen, dass die Wertschöpfung bei der Wärmepumpen-Installation in der Region bleibt. Gemeinsam können sie eine fachkundige Beratung, in Verbindung mit professioneller Umsetzung und einem Stromkonzept entwickeln und anbieten. Ein Beispiel ist die neue Wärmepumpen-Allianz der Stadtwerke Steinburg in Schleswig-Holstein.
https://www.shz.de/lokales/itzehoe/artikel/itzehoe-stadtwerke-und-installateure-mit-waermepumpen-allianz-49603537
Frage des Tages
Anlässlich des Weihnachtsfestes müssen wir jetzt nur noch klären, wie der Weihnachtsmann ohne Kamin ins Haus kommen und die Geschenke bringen soll. Daran soll es ja nicht scheitern. Aber der Weihnachtsmann ist ja zum Glück modern und anpassungsfähig. Die KI Gemini verrät mir sogar, dass er ein Fan der Energiewende ist, denn die Rentiere leiden am Nordpol unter der Eisschmelze. Am besten hat mir die Antwort gefallen, er kommt über die Cloud und hat die Geschenke digitalisiert, schlüpft durch die Firewall und wird über den Router direkt im Wohnzimmer wieder ausgedruckt. Oder findest du die Version mit dem Universalschlüssel besser?
https://www.youtube.com/watch?v=AzWrSE2VUJw
In dem Sinne wünsche ich euch, im Namen des gesamten SID-Teams ein frohes Weihnachtsfest und entspannte Feiertage.