Liebe S!Dizens, es gibt Begriffe, die eigentlich überflüssig sein sollten: Fair Trade, Gemeinwohl-Ökonomie, menschenzentrierte Führung. Denn sollte Handel nicht fair sein? Wirtschaft nicht dem Gemeinwohl dienen? Führung nicht immer den Menschen ins Zentrum stellen? Dass wir solche Labels brauchen, zeigt, wie weit wir uns vom Selbstverständlichen entfernt haben.
Noch immer gelten Menschen in Organisationen oft als Ressource, nicht als Grundlage. Aber wer heute Organisationen baut oder Teams führt, muss anders fragen: Wer sind meine Mitarbeitenden wirklich? Welche Bedürfnisse haben sie? Wie gestalte ich Strukturen, in denen sie eigenverantwortlich, stärkenorientiert und mit Sinn arbeiten können? Das sollte schon aus Eigennutz logisch sein. Und hier kommt plötzlich eine ganz neue Facette ins Spiel: KI als KolleginSie übernimmt Aufgaben, strukturiert Wissen, entlastet – und fordert Führung heraus. Denn wie führen wir, wenn nicht nur Menschen, sondern auch KI-Systeme Teil des Teams sind? Dass diese Frage mehr als technischer Natur ist, zeigt die Reaktion auf das kürzlich veröffentlichte ChatGPT 5. Das Update brachte bessere Logik, längere Kontexte, höhere Genauigkeit. Doch viele Nutzer:innen reagierten ganz anders: Sie beklagten den Verlust der „wärmeren“ Stimme von ChatGPT 4o. Für manche fühlte es sich an wie der Abschied von einem digitalen Freund. Emotional UX ist damit kein Nebeneffekt, sondern zentrales Produktmerkmal. Forschende der Waseda University haben mit der EHARS-Skala (Experiences in Human–AI Relationships Scale) gezeigt, wie eng diese Bindungen werden können. Rund 75 % suchen Rat oder Unterstützung bei KI, knapp 40 % erleben sie als konstante, verlässliche Präsenz. Bindung ist messbar – und sie wächst mit der Nutzung. |