Liebe S!Dizens,
stellt euch vor, ihr könntet eurem jüngeren Ich eine Sprachnachricht (oder für manche eher ein Fax!) schicken. Würdet ihr sagen: „Mach genau diesen Job, es wird großartig!“ – oder eher: „Lass die Finger davon, lerne lieber was anständiges mit Holz.“?
Hatten wir vor drei Jahren nicht alle prophezeit, dass Homeoffice nach der Pandemie selbstverständlich bleibt, und wir uns auf dem guten Weg zu komplett neuen Vorstellungen von Leistung und Identifikation sind?
Spoiler: Nope, hat nicht geklappt!
Denn nun erleben wir, wie Unternehmen Präsenzpflicht wieder einführen – oft mit der Begründung „bessere Zusammenarbeit“ (was sich manchmal wie „Wir trauen euch nicht“ anhört). Willkommen im 21. Jahrhundert – aber anscheinend mit dem Handbuch von 1978. – Macht euch das noch Spaß?
Und Homeoffice mal hin oder her, es ist nur ein kleiner Teil der generellen Rückwärtsbewegung in der Gesellschaft. Während wir unser Arbeitsleben durch Vertrauen und daraus resultierender Leistung im Team bestreiten sollten, gibt es wieder die Schema-F Kriterien für eine produktive Arbeitskraft. Der Mensch tritt in den Hintergrund, die Personalnummer in den Vordergrund. Fällst du durch deine familiären Verpflichtungen, dein Geschlecht, dein Lebenslauf, deine Herangehensweise, ... aus dem Raster, bist du kein produktives Mitglied der Arbeiterschaft mehr. – "Machen Sie doch was kreatives..."
Stoßt die Leitern um!
Das alte Bild von Karriere als Leiter, die man linear nach oben steigt, hat ausgedient. Heute sind Seitenwechsel, Umwege und komplett neue Abzweigungen nicht nur normal, sondern oft die klügere Strategie. Sich zur Seite entwickeln ist das neue Aufsteigen.
Mein eigener Lebenslauf ist kein Stück linear. Und es gab auch viele schwere Zeiten. Aber sie haben mich dahin gebracht, wo ich bin. Und ich bezeichne mich nicht als unerfolgreich oder gar unproduktiv. Manchmal bin ich schwer von Begriff und brauche die Diskussion mit schlaueren Menschen. Und es schüchtert mich nicht ein, oder macht mir Angst. Im Gegenteil, es brachte mich immer weiter:
"Wenn du der klügste im Raum bist, bist du im falschen Raum!"
– Konfuzius.
Also: Was würdet ihr eurem jüngeren Ich raten? Mutiger sein? Mehr Pausen machen? Den Job nicht als Endstation sehen, sondern als Etappe in einer beweglichen Laufbahn? Die Arbeitswelt ändert sich rasant – und wir haben es in der Hand, ob wir die Veränderung mitgestalten oder nur hinterherlaufen.
Gefaxte Grüße
Torben