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SIDweekly#170 – Im Würgegriff der Geschichte (und Erdgas)

Im Würgegriff der Geschichte (und Erdgas)

Liebe S!Dizens,


Ein bisschen habe ich den Überblick verloren, was dieses Jahr so für Comebacks am Start sind. Eines lest ihr gerade, denn er ist wieder da. Er ist ich, Felix Rodenjohann. Jedes erste S!Dweekly im Monat versorgt euch ab jetzt mit einer Mischung aus konstruktiv-destruktivem Energie u. Klima-Sarkasmus. Denn die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Zwischen lokaler Lösung und globalem Problem, zwischen einem Schritt vor und zwei Schritten zurück. Und andersrum.

Netzt du schon, oder suchst du noch?


Laut SIDizen Tim Meyer verdrängt die Batterie in Kalifornien jeden Tag ca. 

10 GW Erdgasleistung. Wegen dieses physikalisch ultra komplexen Vorgangs, den billigen Sonnenstrom aus der Mittagszeit in die abendliche Lastspitze zu schieben. Wen wundert also diese überschwängliche Begeisterung, Speicher ans Netz zu lassen?

Quelle: https://www.linkedin.com/posts/tim-meyer-466a7626_batterien-wirken-in-kalifornien-wird-regelm%C3%A4%C3%9Fig-activity-7368914014073933824-Ob4E

Ah, ein nationales Problem, gibts da eine lokale Lösung? Ja, ab ins Verteilnetz, ihr gering Energiesierte! 


Was auf der 380 kV und 110 kV Ebene gerade aussichtslos erscheint, lässt sich im Verteilnetz lösen. Ihr könnt Batteriespeicher in eure Netze bringen, am besten mit kommunalem Zugriff. Denn stellt euch vor, ihr verbaut jetzt schon die Hardware, die in ein paar Jahren per Softwareupdate zur Reservebatterie wird. Netzbildend, im Falle eines Blackouts beim vorgelagerten Netzbetreiber. Dann verdient ihr erstmal an der Börse richtig Geld und habt in ein paar Jahren ein abbezahltes Super-Asset für Netzstabilisierung und Energiesicherheit. 

Was Fraunhofer da forscht und sogar das Ampel-Wirtschaftsministerium schon vorbereitete:

https://youtu.be/6SVyqLhelGw?si=yw8mloYarSD-IaK8

 

Europäisches Problem, lokale 


Eckhard ist übrigens mein Schwiegervater, gerade 70 geworden, fährt seit 2021 vollelektrisch, davor noch mal einen kurzen Plug-in-Hybrid zur Abkündigung des Benzingestanks. Und dieses Jahr wird Eckhard mit seiner Entscheidung zu den 3,5% der Menschen in Deutschland gehören. Ja, ihr habt richtig gelesen. 3,3% war die E-Auto Quote im Januar 2025, wir überschreiten dieses Jahr also die magischen 3,5%. 


Die 3,5% der Gesellschaft schaffen die gewaltfreie Revolution


Da staunt ihr, oder? Die 3,5% sind deshalb so wichtig, weil das die kritische Zahl ist, mit der auch die restlichen 96,5% irgendwann folgen. Dass die Quote in fast allen alten Bundesländern bei 3% oder mehr liegt, in einigen Städten bei 7% und in den meisten neuen Bundesländern bei 1% zeigt, wie lokal auch diese “Revolution” ist. 


https://www.stern.de/panorama/wissen/gesetz-der-3-5-prozent--wie-wenige-aktivisten-regierungen-in-die-knie-zwingen-8979238.html


Das nächste Energiewende-Event in eurer Stadt: 3,5% Party


Bei mir im Norden trifft sich die Nachbarschaft gerne zum Trinken, braucht aber einen Anlass. Ohne Anlass kein gemeinsames Bier und kein gemeinsamer Schnaps. Nutzt das doch, und ladet alle “ladenden” in eurer Region zur 3,5% Party ein, wo ihr gezielt die Energiewende-Community in eurer Stadt an euch bindet. Denn die 3,5%, die jetzt schon elektrisch fahren, sind nicht weit vom elektrischen Heizen und Leben entfernt. Wenn ihr so eine Party machen wollt und euch nicht selbst kümmern möchtet, schreibt mir. 

   

Ok, aber E-Autos sind jetzt nicht unser größtes Problem, was machen wir mit den Gaskraftwerken, dem kaputten PPA-Markt und dem Ende des EEGs im nächsten Jahr, und was passiert da jetzt eigentlich in der Bundesregierung?


Es gibt den Koalitionsvertrag, in dem eigentlich klar drin steht, wie die Energiewende unter Schwarz-Rot weitergeht. Der Monitoringbericht der Ministerin liefert auf über 200 Seiten sehr viel Konkretes, und trotzdem wirkt es so, als ob Friedrich Merz und Katherina Reiche in eine völlig andere Richtung ziehen. Genau deshalb ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich zu positionieren. Sich zu fragen, auf welcher Seite der Geschichte du stehen möchtest. 


Shift Happens - das ist halt nicht nur das Motto des SID’26, sondern der Wandel passiert. Wenn wir in der Welt der dezentralen Energiewende, der neuen Energiewirtschaft und dem Kosmos der Stadtwerke zusammenhalten, dann wird es eine Energiewende für alle geben, nicht nur für Reiche.


Klar ist aber auch: Der Angriff auf die Energiewende 2025 erinnert stark an die Situation 2012. Auf dem SID'26 werden wir ein bisschen in die Geschichte schauen, damit wir aus den Fehlern lernen können. Bis dahin bleibt mir nur die Chance, die politische Großwetterlage in Berlin so zu 


Die Börsenstrompreise sind im Keller, wenn viel Sonne scheint oder sehr viel Wind weht. Das setzt den Grünstrom-PPA-Markt unter Druck. Die Diskussionen um den subventionierten fossilen Industriestrompreis belasten die Grünstrom-PPAs weiter. Und die Börsenstrompreise erholen sich nicht, weil die Batteriespeicher am Netzanschluss gehindert werden. Damit wird aktiv die Marktintegration erneuerbarer Energien behindert.

Und jetzt kommen die fossilen Lobbyisten aus der CDU und Die Erneuerbaren sollen sich nicht über Subventionen, sondern über den Markt finanzieren.” Tja, und genau das würden sie gerne, wenn man sie lassen würde. Die Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer (SPD Energie-Sprecherin) hat da eine klare andere Positionierung. “Es ist unser Job, die Erneuerbaren Energien zu befähigen, dass sie sich am Markt refinanzieren können.” Deshalb ist das Jahr 2026 entscheidend. Gelingt uns jetzt der richtige Einstieg in die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität mit weitreichenden Chancen für kommunale Geschäftsmodelle, stabilisieren wir den nationalen Grünstrom-Markt und sorgen damit dafür, dass auch der Zubau weiter stattfinden kann? Falls ihr das noch nicht gemacht habt, meldet euch zum SID’26 an, denn da werdet ihr auf all diese neuen Herausforderungen vorbereitet. 


Bis dahin fahrt und heizt elektrisch, euer Felix. 

Als radikalster Klimalobbyist klebt sich Felix NICHT auf die Straße, sondern in Aufsichtsratssitzungen von Stadtwerken und Rathäusern - um alle anwesenden vom Marktpotenzial erneuerbarer Energien zu überzeugen.


#sid26

hi@sid.earth

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