SIDweekly #221

Mit Gas heizen ist noch erlaubt, aber bald unbezahlbar

Liebe S!Dizens,

das Gebäudeenergiegesetz musste ja unbedingt weg. Mit dem Nachfolger, dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), ist der Einbau von Gasheizungen nun weiterhin erlaubt. Jetzt soll die Dekarbonisierung über die Brennstoffe erfolgen. Alle Verbraucher:innen, die ab 2029 eine neue Gasheizung einbauen, müssen über die Biotreppe gehen, also entsprechende Verträge abschließen. Vorher, ab 2028, kommt schon die Grüngasquote, mit der Versorger dazu verpflichtet werden, für private Haushalte einen vorgeschriebenen Anteil grüner Gase zu liefern.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat nun ein Eckpunktepapier zu Grüngas- und Grünheizölquote vorgelegt. Im ersten Jahr soll die Grüngasquote nur 1 % betragen und dann jedes Jahr steigen. 2031 soll sie, so das Eckpunktepapier, bei 7 % liegen. Alleine dadurch wird der Erdgaspreis um 0,43 bis 1,69 Cent je Kilowattstunde steigen. Bei einem Gasverbrauch von 20.000 kWh im Jahr sind das 86 bis 338 Euro Mehrkosten für einen Haushalt. Der CO2-Preis und die Netzentgelte sind in den Mehrkosten noch nicht einmal enthalten, sie werden vermutlich ebenfalls steigen. An der Gasbörse kennt der Preis aktuell nur eine Richtung und zwar steil nach oben. Heizen mit Gas ist zwar noch nicht verboten, wird aber für Verbraucher:innen richtig teuer.

Die Einhaltung der Quote wird handelbar sein, Versorger können Untererfüllungen nachholen und Übererfüllungen auf das Folgejahr anrechnen. Grüner Wasserstoff soll anfangs dreifach angerechnet werden können. Dann steht noch die Frage der ausreichenden Verfügbarkeit grüner Gase im Raum.

Vermutlich habe ich jetzt schon die meisten Leser:innen verloren. Wenn du den Text jetzt noch liest, dann interessiert dich das Thema wirklich. Dabei habe ich die ganze Thematik schon sehr stark vereinfacht und reduziert.

Die steigenden Gaspreise werden dazu führen, dass noch mehr Haushalte auf Wärmepumpen umsteigen. Ihre Betriebskosten sind heute schon in den meisten Fällen günstiger. Vielleicht ist das die beste Förderung für Wärmepumpen. Für euch in den Stadtwerken kann das bedeuten, dass die Einnahmen aus dem Gasgeschäft weiter zurückgehen und es möglicherweise zum Zuschussgeschäft wird.

Habt ihr euch schon mit der Grüngas- oder Grünheizölquote beschäftigt? Was bedeutet diese Entwicklung für eure Strategie?

Bis zum SID27 am 14. und 15. April wird dieses Konstrukt sicher konkreter. Ich freue mich auf Gespräche zur Entwicklung der Wärmewende. Hast du schon ein Ticket gekauft? Wenn du eure Strategie oder ein Projekt vorstellen möchtest, kannst du einen Beitrag einreichen.

Was war sonst noch los?

Stadtwerke der Woche I

Die Stadtwerke Würzburg haben ihre vierte Bürgerbeteiligung für die lokale Bevölkerung und Energiekund:innen gestartet. Diese können sich damit finanziell an regionalen Infrastruktur- und Energieprojekten der WVV beteiligen und erhalten eine Verzinsung von bis zu 5 % pro Jahr. Die Laufzeit beträgt mindestens 5 Jahre.

https://magazin.wvv.de/energie/die-wvv-buergerbeteiligung-4-0-ist-gestartet/

Stadtwerke der Woche II

In den Sommermonaten haben die Stadtwerke Weimar ihre Fernwärme modernisiert. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde eine Solarthermieanlage integriert, die künftig bis zu 27 % des jährlichen Wärmebedarfs im Quartier decken soll. Als weitere Maßnahme haben sie intelligente Hausanschlussstationen installiert, die Messdaten erfassen und helfen, den Betrieb des Netzes gezielter zu steuern.

https://sw-weimar.de/unser-unternehmen/aktuelles/aktuelles-details/stadtwerke-geben-einblick-in-den-bau-ihrer-solarthermieanlage/

Wärmeprojekt der Woche

In Hamburgs neuem Stadtteil Grasbrook übernimmt die enercity Contracting Nord GmbH die Wärmeversorgung. Von Beginn an stammen mehr als 90 % der Wärme aus erneuerbaren Energien und unvermeidbarer Abwärme, überwiegend industrieller Abwärme aus dem Werk der Aurubis AG.

https://www.enercity-contracting.de/unternehmen/presse/enercity-contracting-versorgt-grasbrook

Award der Woche

Bei den ZFK NachhaltigkeitsAWARDs stehen innovative kommunale Projekte für Nachhaltigkeit zur Wahl. Dazu gehören auch einige Projekte von Stadtwerken zur erneuerbaren Wärmeversorgung.

https://www.zfk.de/unternehmen/nachhalitigkeitsaward-2026-voting-projekte-nominierte

Studie der Woche

Die Finanzierung der Wärmenetze gehört zu den zentralen Herausforderungen der Wärmewende. Wissenschaftler:innen des Fraunhofer ISI und der Hochschule für Technik Stuttgart haben eine Online-Umfrage unter Banken durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, wo Banken die größten Risiken und Chancen bei der Wärmenetzfinanzierung sehen.

https://www.isi.fraunhofer.de/de/blog/2026/finanzierung_waermenetze_perspektive_banken.html

Podcast der Woche

Wann ist Fernwärme ein gutes Geschäft für Stadtwerke? Ein Gespräch im Podcast Energiedosis mit Sebastian Janczik, Geschäftsführer der Bützower Wärme in Mecklenburg-Vorpommern, über die zentralen Herausforderungen der Fernwärme.

https://www.dienetzwerkpartner.com/podcast/energiedosis/episode/fernwaerme-transformieren-zwischen-dekarbonisierung-und-wirtschaftlichkeit

Lasst es euch gut gehen,

Euer Andreas