SIDweekly #220

Gemeinsam rollt es besser: gMSB und wMSB im Smart-Meter-Rollout

Liebe S!Dizens,

diese Woche hat Fabian Maleitzke von Energy Metering, dem wettbewerblichen Messstellenbetreiber der Octopus-Gruppe, die Tastatur übernommen. Er leitet dort den Bereich Smart Metering und kennt den Rollout von beiden Seiten des Marktes. Und er hat eine klare Meinung: Grundzuständige und wettbewerbliche Messstellenbetreiber können viel gewinnen, wenn sie enger zusammenarbeiten. Warum, lest ihr heute. Und auch was ihr tun könnt.

Insider Tipp: Ihr werdet Fabian mit großer Wahrscheinlichkeit beim SID27 am 14. und 15. April in Oldenburg persönlich kennenlernen können. Deshalb schnell ein Ticket kaufen 😊 und einen Beitrag einreichen 🎤

Und jetzt: Los geht es!


Dienstag, kurz vor acht. Du öffnest den Montagekalender der Woche. Ein Monteur hat sich krankgemeldet, seine Termine müssen neu verteilt werden. Beim Kunden um 9 Uhr war letzte Woche niemand zu Hause, der Termin geht in die zweite Runde. Im Postfach liegt eine Rückfrage zur Marktkommunikation, weil ein Gerätewechsel anders im System angekommen ist, als der Netzbetreiber ihn erwartet. Und im Monitoring der Gateway-Administration steht ein Gateway, das sich seit Tagen nicht gemeldet hat.

Der Smart-Meter-Rollout in Deutschland fühlt sich im Alltag oft an wie Jonglieren. Für große Messstellenbetreiber ist das eine Herausforderung, für mittlere und kleine Stadtwerke fast nicht zu stemmen.

Der Druck auf die Stadtwerke wächst

In Deutschland gibt es rund 850 grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB). Über zwei Drittel davon sind kleine und mittlere Stadtwerke. Sie verantworten den Messstellenbetrieb vor Ort und sind Vertragspartner der Anschlussnutzer. Gleichzeitig stehen sie unter dem Druck gesetzlicher Ausstattungsquoten und brauchen dafür eine komplette Wertschöpfungskette:

  • Beschaffung und Lieferung entlang der sicheren Lieferkette
  • regelkonforme Marktkommunikation
  • geschultes Montagepersonal
  • ein belastbares Störungsmanagement
  • eine eigene Gateway-Administration

Jeder dieser Bausteine bindet Kapital und Personal. Besonders die Gateway-Administration ist im Aufbau und im Betrieb teuer. Bei den Stückzahlen eines einzelnen Stadtwerks lässt sie sich wirtschaftlich kaum darstellen, weil die Skaleneffekte fehlen. Am Willen der Stadtwerke liegt das nicht. Es fehlt an Kapazität und Kapital.

Auf der anderen Seite des Marktes haben wettbewerbliche Messstellenbetreiber (wMSB) wie wir in den letzten Jahren bundesweit Installationsnetzwerke, Schulungsstrukturen und spezialisierte Prozesse aufgebaut. Ein Teil dieser Kapazität bleibt ungenutzt, solange jedes Stadtwerk im eigenen Rahmen arbeitet. Der wMSB braucht ein hohes Volumen, um seine Strukturen wirtschaftlich auszulasten.

Das Bild ist spiegelverkehrt: Auf der einen Seite fehlen Hände und Systeme, auf der anderen sind sie vorhanden, aber nicht ausgelastet. Zwei Probleme, die sich gegenseitig lösen könnten.

Die logische Schlussfolgerung: Gemeinsam statt allein!

Aus meiner Sicht folgt die Zusammenarbeit zwischen gMSB und wMSB deshalb einer einfachen Logik: Kapazität wird dort gebündelt, wo sie effizient ist. Verantwortung bleibt dort, wo sie hingehört.

Der gMSB bleibt verlässlicher Ansprechpartner vor Ort und Vertragspartner der Anschlussnutzer, mit Durchgriff auf Preisblatt und Messdaten. Der wMSB übernimmt den operativen Vollzug. Dazu gehören Beschaffung, Installation, Wartung, Entstörung, Marktkommunikation und die Abrechnung der Messentgelte, jeweils im Namen des gMSB.

  • Für den gMSB entfallen Investitions- und Restwertrisiken im eigenen Messstellenbetrieb. Er kalkuliert mit einer gesicherten Marge statt mit offener Kapitalbindung und kann seine Quoten fristgerecht erfüllen, weil ein skalierter Partner liefert.
  • Für den wMSB füllen zusätzliche Messstellen bestehende Installationsnetzwerke, Schulungszentren und Systeme. Jeder gMSB, der seine Messstellen einbringt, senkt die Stückkosten für alle im Verbund und macht Spezialisierung erst lohnend.

Wie sich Tempo anfühlt, wenn Strukturen gut ausgelastet sind, zeigt Großbritannien: Dort installieren die Kolleginnen und Kollegen von Octopus Energy alle 30 Sekunden einen Smart Meter. Der britische Markt ist ein anderer, ein Beweis für Deutschland ist das nicht. Es zeigt aber, was mit spezialisierten, ausgelasteten Betriebsstrukturen möglich ist.

Warum viele noch zögern

Viele Stadtwerke zögern, und das hat nachvollziehbare Gründe. Wer Aufgaben abgibt, fürchtet Kontrollverlust, Abhängigkeit von einem Partner und eine Distanz zum Kunden. Diese Sorgen sind ernst zu nehmen. Das hier beschriebene Modell setzt deshalb gezielt dort an, wo sie am schwersten wiegen: Die Grundzuständigkeit, die Beziehung zum Anschlussnutzer und der Durchgriff auf Preisblatt und Messdaten bleiben beim gMSB. Abgegeben wird der operative Teil, der im kleinen Maßstab ohnehin kaum wirtschaftlich zu betreiben ist. Welche Vertragsmodelle, Konditionen und Service Level Agreements (SLAs) im Einzelfall passen, hängt vom Stadtwerk ab.

Statt vieler kleiner, unterausgelasteter Strukturen entstehen wenige, gut ausgelastete Betriebsplattformen, die zuverlässig liefern. Beide Seiten gewinnen: Die Stadtwerke gewinnen Planbarkeit, die wMSB Volumen. Gemeinsame Lösungen sind aus meiner Sicht erfolgreicher als isolierte Ansätze. Beweisen lässt sich das allerdings nur mit Partnern, die es ausprobieren.

Unser Angebot

Wir bei Energy Metering wollen dem deutschen Messstellenmarkt zeigen, dass Zusammenarbeit funktioniert. Wir richten uns gezielt an Stadtwerke mit bis zu 50.000 Zählpunkten – die Größenordnung, in der sich eine eigene Gateway-Administration einfach nicht rechnet und der Kapazitätsdruck am größten ist. Unser Ziel für die Zusammenarbeit: euren Pflichtrollout gemeinsam innerhalb von drei Monaten von 0 auf 90 Prozent zu bringen.

Wenn ihr euch erst einmal nur anhören möchtet, welche Möglichkeiten es gibt, freuen wir uns auf ein Gespräch mit euch. Meldet euch gerne hier: partnerschaften@energymetering.de

Euer Fabian