Weekly 218

Liebe S!Dizens,

Habt ihr den Rekord mitbekommen? Am 27.09. überstieg die Solarkraft mit 90,2% produzierten TWh die gesamte Jahresproduktion von 2026. “Solar Day” nennt der Bundesverband Solarwirtschaft ab jetzt diesen Tag. Und das passiert, während in Berlin die letzte Schlacht ums EEG tobt (WELT-Titel) oder wie es der Klimareporter formuliert: Unionsfraktion legt „Giftliste“ für EEG-Reform vor

Ist das noch EEG, oder kann das weg?

Die 40 Seiten “Änderungsvorschläge” der Unionsfraktion sind intellektuell auf einem ungewöhnlich hohen Niveau. Genauso wie die Kreativität. Jeder Punkt wirkt für sich genommen harmlos. Jede Begründung klingt für Außenstehende vernünftig, manche sogar zwingend logisch. Es gibt keinen offenen Frontalangriff, sondern tausend Nadelstiche. Die in Summe mit der Wucht einer Abrissbirne zuschlagen.

Die Abrissbirne trifft nicht nur die (bei Teilen der Unionsfraktion) ungeliebte „neue Energiewirtschaft“. Sie hat das Potenzial, Energie für Unternehmen und Haushalte endgültig unbezahlbar zu machen. Aus meiner Sicht startet die Unionsfraktion hier unwissentlich einen Angriff auf den sozialen Frieden, den Wohlstand in unserem Land. Dabei wollte sie doch nur mehr Gaskraftwerke und weniger Klimaschutz, und nicht gleich die Energiepreise verdoppeln. Oder was verfolgt sie damit für Ziele?

Falsch, verheerend, hochgradig irritiert – dieses EEG schadet Deutschland, sagt ein CDU-Ministerpräsident. Auch der Bundesrat fordert Änderungen und liefert Gesetzesvorschläge, die Regierung lehnt alles kommentarlos ab.

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101466476/eeg-und-netzpaket-guenther-beschwert-sich-bei-merz-ueber-reiches-plaene.html

Ob die Union sich mit der Giftliste durchsetzt und die Abrissbirne wirklich kreisen wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Wenn ihr euch anschauen wollt, was ein vollständiger Stopp des Zubaus von neuer Windkraft und Photovoltaik für Auswirkungen auf den Strompreis hätte, wir haben das mit Partnern einmal ermittelt.

Das Ergebnis hat auch uns überrascht – und es offenbart etwas, über das bisher noch nicht öffentlich diskutiert wurde. Denn deutlich höhere Börsenstrompreise sorgen für mehr Gewinn bei Bestandsanlagen. Wir haben also nicht nur einen Interessenkonflikt zwischen fossiler und emissionsfreier Energiewirtschaft, sondern auch zwischen Kraftwerkseigentümern und Entwicklern.

Zubaustopp verdoppelt bis 2035 die Börsenstrompreise und vervielfacht die Rendite von Bestandskraftwerken

Börsenstrompreise

Hier seht ihr die durchschnittlichen Börsenstrompreise von Januar bis Dezember 2025, in den jeweiligen Abschnitten. Im Winter liegen die Strompreise nur extrem selten unter 10 Cent. Auch im Sommer liegen sie am Morgen und am Abend oberhalb der 10 Cent-Marke, nur zwischen 11 und 15 Uhr fallen sie zwischen April und September fast immer unter 5. Die Formel zur Preisbildung lautet dabei:

Stromverbrauch
− Windstrom
− Solarstrom
= Residuallast

Je größer diese Residuallast ist, desto mehr teure Kraftwerke müssen zugeschaltet werden – und desto höher wird normalerweise der Börsenpreis. Wenn Wind- und Solarenergie weiter ausgebaut werden, wird in immer mehr Stunden ein größerer Teil des Verbrauchs durch Anlagen mit praktisch keinen Brennstoffkosten gedeckt. Die Residuallast sinkt und teure Gas- und Kohlekraftwerke werden seltener preissetzend.

Bei einem Zubaustopp passiert das Gegenteil: Während Stromverbrauch bzw. Elektrifizierung perspektivisch steigen, bleibt das günstige Angebot aus Wind und Sonne stehen. Dadurch müssen häufiger teurere Kraftwerke den verbleibenden Strombedarf decken. Der durchschnittliche Börsenstrompreis steigt.

Residuallast

Dramatische Folgen für Haushalte und Wirtschaft, Gefahr für den sozialen Frieden, aber mehr Rendite für Kraftwerke, die jetzt noch entstehen oder schon gebaut sind. Ohne EEG, keine durch Banken finanzierte Energiewende, zumindest nicht mit weniger als 50% Eigenkapital. Ist das die Geburtsstunde für Projekte mit vollständiger Kapitalisierung durch Bürgerinnen und Bürger? Stadtwerke, Energiegenossenschaften und Projektierer entwickeln nicht mehr nur Projekte, die ein Investor kauft – sondern arbeiten für tausende Investorinnen und Investoren in der Kommune, die sich von der Abrissbirne aus Berlin nicht aufhalten lassen.

Ist das eine Utopie, oder seht ihr da eine Chance? Lasst uns das auf LinkedIn diskutieren.

Bis dahin, bleibt gesund, fahrt und heizt elektrisch – solange der Strom noch bezahlbar ist!

Euer Felix