
Wärmewende gelingt nur mit sozialer Komponente
Liebe SIDizens,
fällt es euch nach dem Wahlergebnis auch so schwer, in den Alltag zurückzukehren? Wie geht ihr damit um? Es kann jedenfalls nicht so weitergehen wie bisher. Es muss sich was ändern. Bundes- oder Landespolitik können wir nicht oder nur bei den nächsten Wahlen beeinflussen.
Aber wie wäre es mit unserem eigenen Bereich? Was können wir da tun? Vielleicht sollten wir uns mehr mit der sozialen Komponente der Transformation beschäftigen, damit sich weniger Menschen abgehängt fühlen. Gegen bezahlbare Energiekosten wird sich kaum jemand wehren. Immerhin ist das eines der Themen, das häufig als Begründung für Unzufriedenheit genannt wird.
Bei der Wärmewende besteht noch die Chance, die soziale Komponente zu berücksichtigen. In Wärmeplanungen werden zunehmend sozioökonomische Faktoren einbezogen. Dabei wird in den Plänen ergänzt, wie anpassungsfähig die einzelnen Bevölkerungsgruppen sind und welche Möglichkeiten sie zu handeln haben. Dieser Schritt ist nicht verpflichtend und kein fester Bestandteil der kommunalen Planungen. Aber er kann wichtige Erkenntnisse liefern und einen großen Beitrag zur Akzeptanz der Wärmewende leisten.
Die Grundlage der genannten sozioökonomischen Faktoren stammt aus der Persona-Analyse des Sozial-Klimarats. Dieser hat umfangreiche Daten für Millionen von Haushalten aufbereitet, im Hinblick auf die Anpassungsfähigkeit an die Ziele im Gebäudesektor ausgewertet und zu 16 verschiedenen Personas zusammengefasst. Mit dieser Methode wird sichtbar, dass hinter den einzelnen Gruppen echte Menschen mit eigenen Sorgen und Bedürfnissen stecken.
Das ist sicher nicht die alleinige Lösung. Es müssen natürlich die entsprechenden Schlussfolgerungen gezogen werden und sich in den Maßnahmen wiederfinden. Nach guten Beispielen suche ich noch. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Wärmenetze im Paket
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle über das Wärmenetzpaket der Bundesregierung schreiben. Wärmenetze sollen künftig in der Wärmeversorgung eine deutlich größere Rolle einnehmen. Aktuell sind die Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau nicht gerade ideal. Wenn sich nichts ändert, gehe ich davon aus, dass nur ein geringer Teil der in den Wärmeplanungen identifizierten Wärmenetzgebiete ein Netz erhalten wird. Die Bundesregierung hat Ende August mit dem Wärmenetzpaket Eckpunkte für einige Gesetze angekündigt. Dazu gehören Themen der Preisgestaltung und -transparenz, die gesetzliche Festschreibung der Förderung und Änderungen im Kostenneutralitätsgebot.
Der Wärmemarkt wird sich auf mehr Regulierung einstellen müssen. Aber günstiger wird es dadurch nicht. Für die Dekarbonisierung muss viel investiert werden und dabei ist es wichtig, dass bezahlbare Wärmepreise herauskommen. Ideal wäre sogar eine soziale Komponente.
Wie bewertet ihr das Wärmenetzpaket? Ich habe mich noch nicht genug eingearbeitet für ein Urteil.
Was gibt es sonst noch?
Paket der Woche
Die Expert:innen von PWC haben in einem ausführlichen Text gezeigt, was das Wärmenetzpaket für Versorger bedeutet. Sie machen auch deutlich, dass sich dadurch Chancen eröffnen, Dekarbonisierungs- und Netzausbauinvestitionen langfristig abzusichern.
https://blogs.pwc.de/de/auf-ein-watt/article/256614/waermenetzpaket-2026-vom-eckpunktepapier-zur-investitionsentscheidung-was-jetzt-auf-waermeversorger-zukommt/
Paket der Woche II
Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt die Transparenz und Preisaufsicht im Wärmenetzpaket. Da es sich um einen Monopolmarkt handelt, brauchen die Kunden mehr wirksamen Schutz vor überhöhten Preisen und vor einseitigen Preiserhöhungen.
https://www.vzbv.de/meldungen/fernwaerme-reform-staerkt-transparenz-und-preisaufsicht
Analyse der Woche
Wie gehen Stadtwerke mit dem wachsenden Transformationsdruck im Wärmesektor um? Das hat PSVDL Consulting in einer umfangreichen Branchenanalyse untersucht. Sie untersucht die Strategien zum Ausbau und der Dekarbonisierung von Wärmenetzen sowie geeignete Produkte und Lösungen.
https://www.psvdl-consulting.com/waermewende-versorger-im-wandel-eine-branchenanalyse-von-psvdl-consulting/
Meinung der Woche
Kommunale Wärmeplanung sollte mehr sein, als ein Dokument zu erstellen und eine Frist einzuhalten. In seinem Meinungsbeitrag hat Ronald Scholz von der Freiberg Institut GmbH erklärt, warum ein Vergleich verschiedener Versorgungsvarianten Kommunen, Quartieren und Unternehmen wesentlich mehr hilft und sie damit bessere Entscheidungen treffen können.
https://background.tagesspiegel.de/energie-und-klima/briefing/kommunen-duerfen-bei-der-waermeplanung-nicht-wuerfeln
Karten der Woche
Der Wärmewendeatlas der KWW zeigt, wie weit die Kommunen in der Wärmeplanung fortgeschritten sind, und stellt Praxisbeispiele zur Umsetzung vor. Praktisch ist der Filter, mit dem Kommunen in ähnlicher Größe gesucht werden können, um Anregungen für die eigene Arbeit zu finden.
https://experience.arcgis.com/experience/a4899f8eac45436a96993c0cf1e8b6db/
Podcast der Woche
Mit Mieterstrom, gemeinschaftlicher Gebäudeversorgung und Energy Sharing sollen mehr Menschen lokal erzeugten Solarstrom nutzen und von günstiger Erzeugung profitieren. Der enPower Podcast hat mit Julian Schulz von Metergrid darüber gesprochen, wie die drei Modelle funktionieren und für welche Gebäude und Projekte sie sich eignen.
https://www.enpower-podcast.de/podcast/157-myddm-cfn8n
Lasst euch nicht unterkriegen!
Euer Andreas