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SIDweekly#111: Kuchen und Krümel

S!DWEEKLY#111

€ 250.000

Liebe S!Dizens,

„wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel zu schweigen.“ Der Spruch, den meine Tochter neulich aus der Grundschule mitgebracht hat, finde ich eigentlich ziemlich aus der Zeit gefallen. Aber ist vielleicht manchmal etwas dran, dass manches wichtiger ist als anderes?

Heute geht es nämlich um den großen Kuchen: unsere Volkswirtschaft. In diesem Kontext sind wir offensichtlich nur die Krümel. Nur wenn der Kuchen ausreichend groß ist, kann auch etwas verteilt und investiert werden. Aber es läuft seit einiger Zeit nicht gut. Die Infrastruktur ist nicht im besten Zustand, die Industrie schrumpft, Innovationen werden woanders umgesetzt und wie viele Weltunternehmen wurden eigentlich in den letzten Dekaden in Europa gegründet?

Der lesenswerte und meiner Ansicht nach im medialen Rauschen untergegangene Report „The Future of European Competitivness“ des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi liefert die Fakten und Analysen dazu. Europa verliert gegenüber den USA und China an Produktivität und damit Wettbewerbsfähigkeit. Wir hängen an alten Industrien und tun viel zu wenig für Innovation und Infrastruktur. Die Lösung sei vertiefte europäische Zusammenarbeit und ein massives Investitionsprogramm in der Größenordnung von 5% des BIPs. Das ist 2,5x das Volumen des Marshallplans. Diese Investition könne langfristig Wohlstand, Gerechtigkeit und damit auch Freiheit, Demokratie und Frieden sichern.

Deutschland geht dabei voran, leider auf der Seite des Problems und nicht der Lösung. Der britische Guardian analysierte kürzlich lesenswert „(Germany is) increasingly an analogue economy in a digital world”. Falls das alles etwas abstrakt daherkommt: Kettcar hat es im Song „Deiche“ bereits vor 20 Jahren ziemlich einfach erklärt:


„Du weißt: der Kuchen ist verteilt.
Du spürst: die Krümel werden knapp.“


Waren die Entwicklungen bisher eher schleichend, geht es auf einmal richtig zur Sache. VW kündigt jahrzehntealte Verträge zur Beschäftigungssicherung, erwägt Werksschließungen und wird an der Börse mehr als kritisch betrachtet. Ein Grund: Es gelang dem Konzern bisher nicht, günstige Elektroautos auf den Markt zu bringen. BYD kann das und wird bis Ende der Dekade die größte Autofirma der Welt sein (sagt die Glaskugel des Eirakels).


Aber ist die Zukunft überhaupt elektrisch? BMW will mit Toyota eine neue Generation Brennstoffzellen Autos entwickeln. Mein Lieblingskommentar dazu kommt von Michael Liebreich: Das sei, “wie zwei Steine zusammenzubinden in der Hoffnung, dass sie gemeinsam schwimmen werden“.

Und was hat die Automobilindustrie mit uns in der Energiewirtschaft zu tun? Eine Menge. Denn das Grundproblem ist ein zögerliches Einstellen auf Veränderungen, die bereits absehbar sind. Es läuft ja alles noch. Unser „digitales eAuto“ sind flexible Strommärkte. Unser BYD könnte Ocotpus Energy und deren Softwareplattform Kraken sein. Flexible Strommärkte und Kundenzentrierung sind Kern des Angebots. In UK sind die Kollegen vom Start-up zum Marktführer mit 23 Millionen Kunden geworden. Das wollen sie nun international wiederholen.

Anstatt empört Werbung abzumahnen, ist es die Aufgabe, Produkte zu entwickeln, die die neue Realität des Energiemarkts abbilden. Das zunehmende Auftreten negativer Preise ist das sichtbarste Signal der Veränderung. Ein neues Marktdesign wird – wie auch immer genau ausgestaltet – beinhalten, dass Anbieter und Nachfrager die Preissignale des Energiemarkts auch in Echtzeit umsetzen und Konsumenten in die Lage versetzen, darauf zu reagieren.

Die großen Trends sind seit langem bekannt: Dekarbonisierung, Digitalisierung, Elektrifizierung. Auf der Nachfrageseite sind elektrische Mobilität (ja, auch LKWs, Züge, Küstenschiffe) und Wärmepumpe das neue Normal. Denn der noch größere Kuchen als die Wirtschaft ist die physikalische Wirklichkeit. Und die Physik hat immer recht, sie setzt sich am Ende durch.

Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel zu schweigen.


So, ich habs euch gesagt.
Was gibt’s sonst?

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Once in a lifetime opportunity 🐙


Vor den Neuigkeiten mache ich Octopus Energy / Kraken ein Angebot: Ihr werdet der Hauptsponsor für den kommenden SID am 29. und 30. Januar 2025 in Lübeck. Bei uns könnt ihr entweder die ganze Branche in die Innovation oder zur Aufgabe zwingen. Diese Chance ist in Geld nicht aufzuwiegen und kostet euch € 250.000,-. (Vorkasse, netto). Das Angebot gilt ab heute für vier Wochen. Als Kirsche auf dem Kuchen bekommt ihr on top ein Jahr Sponsorship für den weekly dazu. Bitte um Bestätgiung per Mail an weekly@sid.earth

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Podcast der Woche: Cleaning-Up

Das Thema Octopus Energy und Kraken verdient eine Vertiefung. Dies leistet der Cleaning Up Podcast (engl.), in dem deutlich wird, dass die insgesamt 63 Mio. Kunden und 15 Milliarden Umsatz nur ein Zwischenziel sind.

https://www.cleaningup.live/the-kraken-wakes-creating-the-utility-of-the-future-ep175-greg-jackson/

Podcast der Woche II: OMR Podcast

Philipp hat mit Nils Aldag den Gründer und CEO von Sunfire aus Dresden zu Gast. Die machen – der Name sagt es – Elektrolyseure und verkaufen Wasserstoff. Nils zeigt sich dynamisch, offen, optimistisch und vor allem eindeutig auf der Seite der physikalischen Wirklichkeit. Spoiler: Dem Wasserstoff als Molekül gehört die Zukunft. Voller Zuversicht zeigt er die realistischen Chancen einer Wasserstoffwirtschaft als neue europäische Industrie auf. Nils ist ein S!Dizen at heart.

https://omr.podigee.io/760-nils-aldag-sunfire


Paper der Woche: Momentum of the solar transition

Wissenschaftliche Papiere brauchen manchmal etwas länger, um den Weg in die Öffentlichkeit zu finden. Dieses Paper aus „nature communications“ zeigt auf, dass noch dieses Jahrzehnt so gut wie überall auf der Welt Solar plus Speicher die günstigste Energieform sein wird. tl,dr? Hier eine kurze Einordnung von unserem Keynote Speaker Tim Meyer.

https://www.nature.com/articles/s41467-023-41971-7

Schaubild der Woche: Fahren mit Wasserstoff

Am Ende gewinnt die Physik, wetten?

https://x.com/alex_avoigt/status/1831765589402251601


Abgesang der Woche: Small Modular Reactors

Atomkraft hat es nicht leicht. Ein von General Electric und Hitachi entwickeltes Modell („BWRX-300“) sollte für ein Projekt im kanadischen Ontario 2020 400 Mio Dollar kosten, inzwischen sind es 13,8 Mrd Dollar oder 11.500 USD/kW. Vermutlich ist das nicht mal das Ende der Kostensteigerung. Besonders schlecht ist diese Nachricht für unsere Nachbarn in Polen und Estland, die Hoffnung und Investitionen auf diesen Technologiepfad gesetzt haben.

https://www.facebook.com/RotzgoereJosh/posts/pfbid0oKE3tFVhpWSXsdLGPRjy9Qh9WGiFQagW4cZeQH63WWgMiy79njAnGcZ63j7SfRBAl

Zahl der Woche: 57

Man mag es kaum glauben: 80% der weltweiten CO2 Emissionen seit 2016 gehen auf nur 57 Unternehmen zurück. Alle Unternehmen sind im Bereich Kohle, Gas, Öl und Zement unterwegs. Bevor nun böse Gefühle em on!

https://www.theguardian.com/environment/2024/apr/04/just-57-companies-linked-to-80-of-greenhouse-gas-emissions-since-2016


Good or Bad der Woche: Nordostpassage

Klimawandel kann eine ambivalente Sache sein. Ein Effekt ist, dass immer größere Schiffe die Nordostpassage passieren. Das spart Strecke und damit Emissionen ein. Konkret fahren die NewNewStar, NewNewMoon oder Xin Xin Hai 1 - alles keine Eisbrecher - von China durch die Arktis nach Archangelsk und stärken die chinesisch-russischen Handelsbeziehung.

https://gcaptain.com/chinese-container-ship-becomes-largest-to-travel-through-arctic/

Abschied der Woche: hw.bestattungen

Ob es stimmt? Wer weiß… Hin & Weg Bestattungen hat jedenfalls auf Threads angekündigt den Account einzustellen. Es heißt also Abschied nehmen. Ein letzter Blick kann niemals schaden.

https://www.instagram.com/hw.bestattungen/?hl=de

Euer Krümmelmonster,

Eike

Eike kann eigentlich fast alles, aber leider nur ein bisschen. Deswegen freut er sich immens, mit vielen anderen tollen Menschen zusammen coole Dinge auf den Weg zu bringen.


#ohneeuchistdoof

weekly@sid.earth

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PS: Wir freuen uns über Feedback und Hinweise: weekly@sid.earth

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