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S!DWEEEKLY#098
Es pressiert.
diese Woche bin ich in München und besuche dort die Intersolar. Meine Erwartung ist, dass es hier optimistisch und lösungsorientiert zugeht. Keine andere Industrie hat derart oft bezogen auf Kostenreduktion und Skalieren die Ziele übertroffen. Nun sehen wir eine ähnliche Entwicklung bei den Speichern, was wiederum die Tür für viele neue Geschäftsmodelle öffnen wird. Bist Du auch da? Gerne melden!
Trotz des Optimismus kaue ich gedanklich noch auf der Europawahl rum. Am meisten ist mir die Karte im Kopf geblieben mit einem blauen Osten, einem schwarzen Westen und grünen Großstädten. Woher kommt der Rechtsruck und wie kann man ihm begegnen?
Ignorieren wir den harten Kern der Rechtsextremen. Dann bleibt eine große Gruppe von Menschen, die massiven Veränderungsdruck fühlen, verbunden mit der Angst vor wirtschaftlichem Abstieg.
Angesichts von Gleichberechtigung, Gendern, Veggie, Flutkatastrophe, vermeintlicher Überfremdung entsteht Angst und ein Gefühl von Kontrollverlust. Schuld ist nicht Putin oder die Physik. Schuld sind die, die darüber reden. Die Grünen, die Medien, die Regierung. Deswegen AfD. Hauptsache, irgendwas ändert sich.
Was hat das nun mit Stadt/Land und auch Ost/West zu tun? Im Westen und in den Städten ist der Veränderungsdruck viel geringer. Mobilität ist multimodal, die Stadtgesellschaften sind bereits viel bunter, wirtschaftlich robuster aufgestellt, da das Wohl und Wehe eines Landkreises nicht an einer Handvoll Arbeitgeber hängen. Das, was dem AfD-Klientel Angst macht, erzeugt in den Städten Lebensqualität und Wohlstand.
Und jetzt kommen S!Dizens ins Spiel. Lokale und regionale Versorger haben die Chance, das Gegengewicht zum Veränderungsdruck zu sein, indem sie lokale Wirtschaft gestalten. Die Basis ist Lösungen anzubieten: Günstigen Strom und Wärme ermöglichen, Infrastruktur wetterfest machen, Mobilität sicherstellen, Grundlage für lokale Wertschöpfung schaffen. Zusammenhalt und Vielfalt vorleben.
Der reale Veränderungsdruck wird weiter wachsen. Die Wirtschaft könnte besser sein und die Rente ist alles andere als sicher. Der Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme brauchen mehr Migration. Putin wird in der Ukraine nicht nachgeben. Die Klimakatastrophe steht noch ganz am Anfang.
Klar ist, es gibt nicht den einen Grund. Trotzdem macht es Sinn, nach Strukturen zu suchen, in der Hoffnung, etwas zu finden, das durch uns gestaltet werden kann.
Was gibt’s sonst Neues?
Event der Woche: Intersolar
Diese Woche trifft sich die Solarwirtschaft in München. Die Intersolar ist ein Pflichttermin für sehr, sehr viele Menschen, so dass erschwingliche Hotels vermutlich erst wieder in Nürnberg zu haben sind, wenn überhaupt. Aber der Besuch lohnt sich – vielleicht sehen wir uns dort. Gebt mir ein Ping!
Wir ihr wisst: Der S!D ist einfach so entstanden, weil die Zeit reif war, dass gute Leute zusammen gekommen sind und einfach gemacht haben. Ein schönes Ergebnis ist, dass aus der Mitte der S!D Community immer wieder Ideen, Projekte und Unternehmen entstanden sind. Dazu gehört „Enytime Green“. Made by S!Dzens gibt es dynamische Tarife nicht nur als White Label für euer Stadtwerk, sondern auch ab sofort als App auf dem Handy. Bitte runterladen und Feedback geben!
Bisher habe ich mir erstaunlich wenig Gedanken über Sand, Salz, Kupfer, Eisen oder Lithium gemacht. Aber wo kommt eigentlich das ganze Material her, mit dem wir unsere Welt bauen und wie wird es verarbeitet. „Material World“ ist ein augenöffnendes Buch. Es zeigt anhand von sechs Rohstoffen auf, wie verwoben die Welt der Rohstoffe ist und welche Bedeutung sie hat. Jeder Rohstoff ist extrem wichtig für die Energiewelt. Deswegen lesen, bevor wieder irgendwas knapp geworden ist und wir erst dann merken, dass wir „ohne“ nicht klarkommen. Dringende Leseempfehlung, inzwischen ist das Buch auch auf Deutsch erschienen.
„Wasserstoff-ready“ ist inzwischen debunked als fossile Verteidigungsstrategie der Gaslobby. Tatsächlich brauchen wir sehr viel Wasserstoff, um Kohlenstoff in der Zement-, Dünger- und Stahlproduktion zu ersetzen (siehe: Buch der Woche), verheizen sollten wir ihn nicht. Die kommunale Perspektive fasst der Kölner Bürgermeister Andreas Wolter (nicht zu verwechseln mit der Oberbürgermeisterin) zusammen: „Die kommunale Wärmeplanung ohne Wasserstoff schützt wertvolle finanzielle und personelle Ressourcen der Kommune, indem sie auf tatsächlich grüne und verfügbare Technologien fokussiert".
Deep – Dive der Woche: Energy Future Lab Annual Lecture 2024
Ohne große Vorrede: Alles, was man über Wasserstoff wissen muss, in einem Vortrag von Michael Liebreich „Exploring global energy transition trends and hydrogen“ (engl.).
Wie groß ist eigentlich der Strombedarf in Tübingen? Es sind 400 GWh und davon produzieren die Stadtwerke derzeit 80% selbst in Erneuerbaren Anlagen. Bis 2030 will Tübingen klimaneutral sein, die Erwartung ist, dass die Nachfrage nach Strom weiter steigt. Deswegen soll bis 2028 die Produktion auf 500 GWh ausgeweitet werden. Insgesamt investieren die Stadtwerke in 16 Jahren 500 Mio €, die eine Basis für starke regionale Wertschöpfung bilden.
Es wird eine ganze Menge Stadtwerke betreffen: Auf der einen Seite kämpfen sie für witterungsfeste Infrastruktur und CO2 Reduktion, auf der anderen Seite ziehen zunehmend Klima-Leugner in Aufsichtsräte ein und verzögern beispielsweise die kommunale Wärmeplanung. Es konkretisiert sich dort der blaubraune Standortnachteil.
Eike kann eigentlich fast alles, aber leider nur ein bisschen. Deswegen freut er sich immens, mit vielen anderen tollen Menschen zusammen coole Dinge auf den Weg zu bringen.
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